Katutura – Das andere Windhoek

Heute habe wir eine Township-Führung nach Katutura gemacht. Eine Vorstadt von Windhoek, die vor allem als Wohngebiet zur Rassentrennung während der Apartheid bekannt wurde. Auf einer Fläche von circa fünf Quadratkilometern leben hier knapp 60.000 Menschen, vor allem die Ärmsten. Hier leben Hereros, Ovambo, Nama, Damara und so weiter… der wirklich „afrikanische“ Teil der Stadt. In der Sprache der Hereros bedeutet Katutura: „Der Ort, an dem wir nicht leben möchten“.

Das Wohngebiet kann man, wenn man es so möchte, in drei Kategorien unterteilen. Die „Reichen“, wobei reich hierbei nicht im europäischen Sinne ausgelegt werden kann, die Ärmeren, sie haben immerhin noch so etwas wie vier Wände und eine Toilette, und die Ärmsten, die mit ihren Familien in Wellblechhütten „hausen“. Ich benutze gezielt das Wort hausen, weil leben kann man das nach unserem Verständnis eigentlich gar nicht nennen.

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Unsere Tour begann beim zentralen Markt, der sich aus Friseursalons, Reparaturwerkstätten und Krims-Krams-Läden zusammensetzt.

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Hier kann man auch unterschiedliche Fleischsorten mit typisch afrikanischen Gewürzen probieren. Haben wir natürlich gemacht…

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Vom Markt aus ging es für uns in den ärmeren Stadtteil, in dem die Menschen quasi „herumlungern“. Eine Kneipe reiht sich an die andere, wobei eine Kneipe im Prinzip auch nur aus einer Hütte besteht. Hier spiegelt sich auch schon eins der großen Probleme des Stadtteils wieder, denn durch die Arbeitslosenquote von circa 70 Prozent, ist Alkohol eine schnelle Zufluchtsmöglichkeit – und das bereits für viele sehr junge Leute. Wirklich alte Bewohner bekommt man hier sowieso nicht zu sehen, denn Krankheiten, Kriminalität und Armut lassen keine hohe Lebenserwartung zu.

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Immerhin wurden wir auch zum „Penduka Women’s Project“ geführt. Frauen werden hier in Handarbeiten ausgebildet und fertigen einheimische Produkte, wie Taschen, Kissen, aber auch Geschenkboxen aus PET-Flaschen und Kinderbücher. Durch ihren niedrigen sozialen Status haben Frauen oft wenig Chancen Arbeit zu finden, sie leben in Armut, die durch gesundheitliche Probleme häufig verstärkt wird. Penduka schafft rund 100 feste Arbeitsplätze und beschäftigt weitere 500 je nach Auftragslage. Ganz nebenbei sind die Produkte auch noch schön, ich kann eine Shoppingtour dort also nur empfehlen.

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Workflow…
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Arbeitsschritte zur Perlenverarbeitung an den Hauswänden.
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Der Penduka Shop.
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Geschenkbox aus einer alten PET Flasche.

Bislang fand ich den uns gebotenen Anblick noch relativ erträglich. Klar das nicht alle die gleichen Mittel und Standards haben – vor allem nicht in Afrika – aber was uns in dem ärmsten Teil Katuturas erwartete fand ich schon sehr schockierend. Wie bereits oben angedeutet, leben die Menschen hier in Blechhütten ohne zentrale Strom-, Wasser und Abwasserversorgung. Durch unseren Guide hatten wir sogar die Möglichkeit einmal in so eine Hütte hereinzuschauen, denn sie hatte eine Frau aus Katutura ermutigt die Abendschule zu Besuchen und zu studieren. Mittlerweile ist diese Grundschullehrerin im Referendariat und wird schon bald die Möglichkeit haben, aus diesem Leben zu entfliehen. Ihr Mann zeigte uns ihre Hütte, während sie in der Schule war und was wir dort angetroffen haben war wirklich nicht einmal das Nötigste. Zwei „Räume“, kaum größer als eine europäische Toilette, in denen gekocht, geschlafen und gelebt wird. Keine Möglichkeit im Winter zu heizen, keine Dusche, keine Toilette… entsprechend war der Geruch, der uns durch diesen Teil des Townships begleitete.

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Vor Ort besuchten wir dann noch einen Kindergarten, den sich für 150 Namibia Dollar (circa 10 Euro) im Monat nur die wenigsten leisten können. Was wir hier antreffen durften war einfach nur herzzerreißend. Wie freudestrahlend und singend wir die Kinder dort, trotz widrigsten Bedingungen, in einer weiteren Blechhütte antrafen, fand ich sehr beeindruckend. Nichtsdestotrotz wurden diese Kinder, egal wie „glücklich“ sie sich uns präsentierten und wie freudig sie uns auf den Straßen zuwinkten, in eine Welt hineingeboren, aus der sie wahrscheinlich ihr Leben lang nicht herauskommen werden. Bildung ist bereits das zweite Riesenproblem in dieser Gegend und wenn dir weder deine Eltern, noch dein gesamtes Umfeld die Wichtigkeit dessen vermitteln, bleibt sie einem womöglich für immer verborgen – ebenso wie ein besseres Leben.

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Was mich ganz besonders schockiert hat, ist das uns eine Frau ihr Kind sogar verkaufen wollte. Für ein paar tausend Namibia Dollar wären wir dabei gewesen. Wie traurig ist das und wie verzweifelt muss man sein???

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Ich persönlich finde es wichtig, dass man sich in einem Land (solange es der Zeitrahmen erlaubt) nicht nur die touristische Fassade, sondern auch die „Locals“ und das wahre Leben anschaut. Nur so kann man vielleicht ein bisschen verstehen, warum es überhaupt nötig ist sich vor Taschendieben und sonstiger Kriminalität zu schützen. Wenn wir es nicht besser wüssten und unter diesen Umständen leben würden, würden wir es ihnen vielleicht Gleich tun?!

Da mir die Erlebnisse ein bisschen unter den Fingernägeln gebrannt haben, habe ich mich dazu entschieden, euch diese noch vor meinem Bericht über den Etosha Nationalpark niederzuschreiben. Solltet ihr also einmal nach Namibia reisen, dann schaut euch Katutura an!

Für mich geht es morgen an die Küste nach Swakopmund, von wo ich dann eventuell nicht mehr in das schöne Hostel zurückkehren werde, das ich seit meiner Ankunft in Namibia immer wieder aufsuche. Ist halt einfach eine sehr nette Truppe hier, aber ich glaube so langsam sollte ich mich weiter in Richtung Südafrika vorarbeiten. Mal sehen…

In Swakopmund bekomme ich dann auch erstmalig das Meer in diesem wirklich spannenden Land zu Gesicht. Ich freue mich riesig!

Ihr wisst ja, Meer geht immer. 😉

Anna

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